Vor kurzem hab ich mir ein paar Bücher mit verschiedenen Häkelprojekten und -techniken gekauft. In einem davon hab ich etwas cooles gefunden, dass ich auch probieren wollte: Häkeln mit Textilgarn (auch T-Shirt-Garn genannt). Rausgekommen ist dabei eine tolle, etwa 23 cm hohe Tasche.

Ich hab euch die Anleitung für die Tasche in diesem Beitrag zusammengefasst.

Die Farbe des Textilgarns hat sich auf den Bildern leider nicht so richtig einfangen lassen. Das Rot ist kräftig und satt, aber nicht so leuchtend wie auf den Fotos.

Textilgarn – was ist das?

Textilgarn besteht aus Stoffresten aus der Textilindustrie, die in passend breite Streifen geschnitten und zu Garn aufgewickelt werden. Im Grunde wird hier also einfach nur Abfallverwertung betrieben.
Ich hab dann mal geschaut, wo ich so ein Garn herbekomme. Gar nicht so leicht, zumindest in den Läden in meiner Umgebung habe ich nichts gefunden. Also hab ich das Internet durchforstet. Auch das hat sich schwieriger gestaltet als angenommen, denn dadurch, dass hier einfach verwertet wird, was gerade anfällt, ist eine genaue Auswahl der Farbe nicht möglich. Entweder man wählt aus einer Farbgruppe (rot, blau, grün usw.) oder man zahlt viel Geld. Ich hab mich für ersteres entschieden und bei Buttinette verschiedene Farben sowie schwarz und weiß für 4,50 € je 450 Gramm mit einer Lauflänge von 70 bis 90 Metern bestellt. Ich wurde nicht enttäuscht, die Farben waren toll und bei mehreren Knäulen einer Farbgruppe habe ich immer die gleiche Farbe bekommen.
Was man beachten sollte: Das Garn wiegt einiges. Meine Tasche zum Beispiel kommt mit Garn, Boden, Griffen und Futter auf fast ein Kilo Gewicht. Dafür scheint sie mir (form)stabil und optisch macht das Garn einiges her.

Nun aber zum Werkeln: hier zeige ich euch, wie ihr die Tasche ganz einfach nachhäkeln könnt.

Ihr braucht:

  • Textilgarn, insgesamt etwa 800 bis 900 g, Farben nach Wahl
  • einen Taschenboden mit Löchern zum Umhäkeln (meiner ist von Hoooked und 18 x 28 cm groß)
  • zwei Taschengriffe mit Ringen
  • eine große Wollnadel, durch die euer Textilgarn passt
  • eine passende Häkelnadel für euer Textilgarn (bei meinem Garn 12 mm)
  • eine kleinere Häkelnadel, die durch die Löcher eures Taschenbodens passen (bei mir 4 mm)

…und optional:

  • ein bis drei große Knöpfe
  • Futterstoff
  • Nadel und Faden
  • wenn vorhanden, eine Nähmaschine (das erleichtert das Verarbeiten des Futterstoffs ungemein)

1. Runde

Beginnt mit schwarzem Garn oder einer Farbe eurer Wahl. Ihr häkelt in das erste Loch des Taschenbodens eine Kettenmasche und in alle weiteren Löcher feste Maschen. Weil die 12 mm Nadel zu groß für die Löcher ist, benutzt dafür einfach eine kleinere Häkelnadel, zieht das Garn damit durch das loch und schiebt es dann auf die große. Die erste Runde ist etwas anstrengend, aber danach klappt es besser.

Runde 2 – 9
Feste Maschen häkeln.

Runde 10 – 11
Die Farbe wechseln (rot) und Stäbchen häkeln. Am Anfang der 10. Runde 2 Luftmaschen häkeln, diese ersetzen das erste Stäbchen.

Runde 12 – 13
Die Farbe wechseln (schwarz) und feste Maschen häkeln.

Runde 14
Die Farbe wechseln (schwarz) und Stäbchen häkeln.  Am Anfang der Runde wieder 2 Luftmaschen häkeln, diese ersetzen das erste Stäbchen.

Runde 15
Die Farbe wechseln (schwarz) und feste Maschen häkeln.
In Runde 15 werden die Taschengriffe einfach mit vier festen Maschen eingearbeitet. Platziert sie, wo ihr möchtet und achtet darauf, dass sie sich mittig an der Tasche befinden. Bei mir waren in der Mitte zwischen den Ringen eines Griffs sechs Maschen Platz.

  • Bei der ersten und vierten Masche stecht ihr durch die Mitte des Rings und eine Masche der Vorrunde und holt das Garn, sodass ihr zwei Schlingen auf der Nadel habt. Nun holt ihr euch Garn wieder durch dir Mitte des Rings und zieht es durch die beiden Schlingen.
  • Bei der zweiten und dritten Masche stecht ihr unterhalb des Rings in jeweils eine Masche der Vorrunde und holt das Garn, sodass ihr zwei Schlingen auf der Nadel habt. Nun holt ihr euch Garn durch dir Mitte des Rings und zieht es durch die beiden Schlingen.

Ich habe euch das mit Fotos festgehalten, auf denen ihr für jede Masche seht, wo ihr einstechen müsst:

Runde 16:
Feste Maschen häkeln. Wenn ihr bei den vier Ringen ankommt, jeweils dahinter häkeln. Mit einer Kettenmasche beenden.

Das Muster aus Stäbchen und festen Maschen könnt ihr beliebig variieren.

Das “Grundgerüst” eurer Tasche steht nun. Vernäht die Fäden mit einer Wollnadel. Verschlusslasche, Schulterriemen und Futter könnt ihr optional dazu häkeln bzw. einnähen.

Verschlusslasche

Um die Tasche zu verschließen, könnt ihr eine Lasche aus zwei Teilen häkeln.

Erster Teil (schwarz)
Für den ersten Teil beginnt ihr mit einer Luftmaschenkette aus sechs Luftmaschen, die letzte ist die Wendemasche. Lasst am Anfang einen langen Faden, um die Lasche damit später anzunähen.
Dann häkelt ihr fünf Reihen feste Maschen. Am Ende jeder Reihe eine Wendeluftmasche häkeln und die Arbeit wenden.
In der sechsten Reihe häkelt ihr zwei feste Masche, drei Luftmaschen, überspringt eine Masche und häkelt noch zwei feste Maschen.
Mit einer Kettenmasche beenden und den Faden vernähen.

Zweiter Teil (rot)
Für den zweiten Teil beginnt ihr wieder mit einer Luftmaschenkette aus sechs Luftmaschen, die letzte ist die Wendemasche. Lasst am Anfang einen langen Faden, um die Lasche damit später anzunähen.
Dann häkelt ihr 15 Reihen feste Maschen. Am Ende jeder Reihe eine Wendeluftmasche häkeln und die Arbeit wenden.
Mit einer Kettenmasche beenden und den Faden vernähen.
Nun könnt ihr große Knöpfe (nach Wunsch zwischen ein und drei Stück) darauf nähen.

Näht nun beide Teile an jeweils einer Seite der Tasche zwischen den beiden Griffen fest.

Schulterriemen

Für den Schulterriemen schlagt eine Luftmaschenkette in der gewünschten Länge an. Zieht dabei auch mal daran, das Garn dehnt sich nämlich etwas. Bei mir waren es ungefähr 100 Luftmaschen. Wendet die Arbeit und häkelt nun eine Reihe feste Maschen. Mit einer Kettenmasche beenden.

Vernäht ein Fadenende und mit dem anderen den Riemen an die Taschenseite. Mit einem extra Faden näht ihr nun das andere Ende des Riemens noch fest.

Innenfutter

Ich habe mich zum Füttern der Tasche für einen leichten Baumwollstoff mit Wabenmuster entschieden. Zur besseren Veranschaulichung hab ich das rechts als Schema zusammengebastelt.

Das rote war mein Grundteil: so breit wie die Tasche und so hoch wie die schmale Seite des Bodens plus zweimal die Höhe der Tasche, plus jeweils ein paar Zentimeter. An die Seiten hab ich die Teile der Taschenseiten genäht und abgesteppt. Außerdem habe ich am Grundteil ein kleines Stück abgenäht und abgesteppt, damit dich das Futter gut in die Tasche einfügt. Anschließend habe ich die Seiten zusammengelegt, die zusammengehören (blaue Pfeile), zusammengenäht und abgesteppt. Zum Schluss nur noch den Rand oben umnähen.
Ich habe das Futter dann mit Nadel und Faden an die Innenseite der Tasche genäht – für die Maschine ist das Textilgarn zu dick.

Das war’s auch schon. Ich saß etwa zwei Abende dran. Das Textilgarn lässt sich wirklich gut verarbeiten, mit dem Häkelteil ist man also schnell durch.

Ich hoffe, das Projekt gefällt euch! Falls ja, freue ich mich über euer “Gefällt mir” auf meiner Facebook-Seite monoBunt oder über eure Kommentare.